Berlin, 18.04 // Wohin stürmst du, Russland?


Literatura – ein russisch-deutscher Dialog

Do., 18. APRIL 19:00 UHR, PARISER PLATZ, Plenarsaal


In der Mitte des 19. Jahrhunderts rechnet der russische Schriftsteller Nikolai Gogol in seinem satirischen Roman „Tote Seelen“ mit der politischen Situation in Russland ab. Und heute? Im Russland des 21. Jahrhunderts gehen Schriftsteller auf die Straße und äußern in Protestkundgebungen ihren Unmut über Wahlfälschungen, Amtsmissbrauch und kulturelle Verelendung. So auch die junge Autorin Natalja Kljutscharowa: „Jetzt wissen wir, dass dies unser Land ist, dass wir es in der Hand haben.“ Neue, jüngere Stimmen melden sich zu Wort, aber auch die etablierten Autoren.

Bei „Literatura“ werden in Debatten, Gesprächen und Lesungen Autoren vorgestellt, die die aktuelle literarische und politische Diskussion in Russland prägen.
Mit Ljudmila Ulitzkaja, Lew Rubinstein, Zakhar Prilepin, Natalja Kljutscharjowa, Julia Kissina, Maria Stepanowa, Andrej Bitow, Wassili Golowanow, Ingo Schulze, Monika Rinck u.a.

Mit freundlicher Unterstützung der Bundeszentrale für Politische Bildung

Programm
(mit Simultanübersetzung)

Eröffnung 
19 Uhr
Begrüßung 
Ingo Schulze, Direktor der Sektion Literatur der Akademie der Künste, 
Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung

Podiumsgespräch
“‘Wohin stürmst Du, Russland?’ – Russland zwischen Stagnation und Aufbruch” 
mit Ljudmila Ulitzkaja, Lew Rubinstein, Zakhar Prilepin, Natalja Kljutscharjowa, Ingo Schulze
Gesprächsleitung Georg Witte

Wie wird die Entwicklung in Russland von den Autoren eingeschätzt? Wie stark und wie einig ist die Protestbewegung? Hat die Zivilgesellschaft in Russland noch eine Chance? Wie frei ist die Kunst, gibt es Restriktionen, gar Zensur? Welche Rolle spielen Politik, Nationalismus, Religion? Liegt die Zukunft Russlands in einer neuen Revolution, wie sie der Nationalbolschewist und Putin-Gegner Zakhar Prilepin fordert? Inwieweit besteht die Gefahr einer Stalin-Renaissance, wie Ljudmila Ulitzkaja beklagt? Welche Bedeutung haben die Aktionen und Verfahren von Pussy Riot in Russland selbst und für die Oppositionsbewegung? Im Dialog mit dem deutschen Autor Ingo Schulze wird es um diese Fragen gehen, wie auch um die Unterschiede in der inneren und äußeren Wahrnehmung.


21 Uhr Lesung
Wassili Golowanow aus “Die Insel”
Einführung und Gespräch mit Jörg Plath
Lesung der deutschen Übersetzung

Wassili Golowanow wurde 1960 in Moskau geboren, ist Schriftsteller, Journalist und Fotograf. Er arbeitete für zahlreiche Zeitungen der russischen Hauptstadt. Seine Beobachtungen am Wolgadelta, in Zentralasien, in der Region um das Kaspische Meer, auf Kamtschatka und in Ostsibirien hatten Einfluss auf seine Entwicklung als Autor. Golowanow gehört zu den Gründern des Moskauer Essay-Clubs der 1990er Jahre, er schrieb Artikel über Geopoetik. Seit zehn Jahren arbeitet Golowanow am Projekt eines Reisebuchs rund um das Kaspische Meer. Sein Roman “Die Insel oder Rechtfertigung des sinnlosen Reisens” (Matthes & Seitz), für den er in Frankreich den Prix Laure Bataillon als bestes übersetztes Buch erhielt, erschien Ende 2012 in der deutschen Übersetzung von Eveline Passet und wurde von der Darmstädter Jury zum „Buch des Monats März 2013 gewählt (“Ein gleichermaßen poetisches wie politisches Buch”).

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